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Stolpersteine: Familie Reinach - Lüneburger Straße (Krankenhausparkplatz) ; (früher: Lüneburger Straße 18)


Ludwig, Irmgard, Wolfgang und Hannelore Reinach

Wolfgang Reinach, Jahrgang 1927, kam 1937 mit seinen Eltern und seiner Schwester Hannelore nach Celle. Der Vater, Ludwig Reinach, war ein evangelisch getaufter Jude und auch die Kinder sind evangelisch getauft worden. Nichtsdestotrotz galt er nach den „Nürnberger Gesetzen“ den Nationalsozialisten als Jude, und der promovierte Ingenieur verlor seine Stelle bei der Wuppertaler Stadtverwaltung. Nach Celle kam die Familie, weil Ludwig Reinach eine Stelle bei der Firma Berkefeld erhielt. Der Familie ging es in Celle anfangs recht gut, die wirtschaftliche Situation war recht komfortabel, auch das Verhältnis zu den Nachbarn war gut. Obwohl die Ehe von Ludwig und Irmgard Reinach als „privilegierte Mischehe“ galt, weil Ludwig Reinach „Frontkämpfer“ im Ersten Weltkrieg war, wurde auch diese „Mischlingsfamilie“ mit der Zeit zunehmend Ziel von Diskriminierung und Verfolgung. Berkefeld wurde zum „NS-Musterbetrieb“ und Ludwig Reinach wurde gekündigt, er wurde dann vom Arbeitsamt in verschiedene Betriebe geschickt, bis er schließlich 1944 in ein Zwangsarbeitslager der „Organisation Todt“ eingewiesen wurde. Irmgard Reinach wurde unter Druck gesetzt, die Scheidung einzureichen, die Celler Gestapo kam häufig „zu Besuch“, die Kinder wurden in der Schule schikaniert und mussten diese schließlich verlassen. Die Reihe der Schikanen ließe sich fortsetzen, aber Wolfgang Reinach beschreibt auch zahlreiche Fälle von Zivilcourage, beispielsweise brachen Nachbarn auch dann nicht den Kontakt ab, als sie selbst in Konflikt mit der Celler Gestapo zu geraten drohten, einige Lehrer gaben Hannelore und Wolfgang Privatunterricht nach deren Schulentlassung als „Mischlinge 1. Grades“ und der Inhaber der Firma Berkefeld war um Unterstützung bemüht.